Jadalnia

 

 

Jadalnia ist Polnisch und heißt Esszimmer. Wenn man das polnische Lokal betritt, erwartet einen eine Mischung zwischen Wohn- und Esszimmer und sorgt mitsamt der umsichtigen und versierten Wirtin dafür, dass man sich wohl fühlen muss. Ich vermute, der Zusatz "hausgemachte slawische Spezialitäten" ist aus lauter Furcht davor gewählt worden, dass der deutsche Gast meinen könnte, polnische Küche munde nicht. Dabei erlebt man, lässt man sich auf die bodenständigen Gerichte des Jadalnia ein, eine kleine kulinarische und obendrein authentische Polenreise.

Das fängt mit der Suppe namens Zurek an, die auf Polnisch Schurek ausgesprochen wird. Eine Suppe, die es tatsächlich nur in Polen und vielleicht noch weiter östlich so gibt. Sie schreckt durch eine völlig unattraktive Farbe und die deutsche Bezeichnung Sauermehlsuppe, von der man sich allerdings nicht täuschen lassen sollte. Denn gereicht mit wunderbar vielen Wurststückchen einer weißen Wurst (nicht zu verwechseln mit der bayerischen Weißwurst), gekochten Kartoffelstücken und traditionell mit einem halben hartgekochten Ei, ist der feinsäuerliche Geschmack nicht beschreibbar. Unbedingt probieren! Entweder man ist danach für den Rest des Lebens ein Zurek-Fan und legt sich in jede Zurek hinein oder ihr entschiedener Gegner. Die dafür angesetzten 4,50 Euro sind auf jeden Fall gut angelegt, um den Suppenhorizont zu erweitern:


Ebenfalls ein sehr typischer Salat und überhaupt nicht weit von unserer deutschen Küche entfernt ist Mizeria, der in saurer Sahne dargereichte Gurkenscheibensalat. Frisch zubereitet, so wie das Jadalnia ihn anbietet, kann man in puncto Schmackhaftigkeit nichts für 1,90 Euro verkehrt machen.


Schwieriger wird es schon bei den Getränken, wobei ich zum Bereich der angebotenen polnischen Biere infolge Inkompetenz nichts beitragen kann.
Dafür aber ein wenig zu den Fruchtsäften. Es finden sich auf der Karte so ungewöhnliche Saftsorten wie Apfel-Minze, Himbeere-Minze, Apfel-Birne, Apfel-Wassermelone, Apfel-Sauerkirsche oder Preiselbeere und Kaktus. Leider wird auch in Polen das rein Hausgemachte durch das industriell Hergestellte mittlerweile ersetzt, so dass doch manch einer dieser neuen Geschmacksrichtungen etwas künstlich wirkt. Aber man kann wohl nicht erwarten, dass die Wirtin mit ihrer Familie selbst die Kirschen, Himbeeren und Äpfel entsaftet und konserviert in Flaschen abfüllt. Es lohnt aber das Probieren der Säfte, die auch preislich überschaubar mit 0,3 l für 1,90 Euro sind.


Bei den Hauptgerichten setzt sich besonders dasjenige als sehr schmackhaft durch, was sich im Nudelteig befindet. Piroggi, mal gefüllt mit Sauerkraut, mal mit Fleisch, mal mit Quark sind ein Klassiker in ganz Polen. Und genau diese Teigtaschen aus leichtem Nudelteig, mitsamt ihrer würzigen Füllung, waren mit Abstand das Beste im Jadalnia. Die Portion jeweils für 5,50 Euro.


Natürlich gibt es ein weiteres klassisches polnisches Gericht im Jadalnia, nämlich Bigos, ein Eintopf, bestehend aus Weißkohl und Sauerkraut, würziger geräucherter Wurst, geräuchertem Schweinefleisch, getrockeneten Pilzen für 5,90 Euro. Ich habe mir sagen lassen, dass jede Hausfrau in Polen ihr eigenes Rezept dafür verwendet, so etwa wie hier in Deutschland fast jeder den Teig für die Frikadellen etwas anders zusammensetzt. Bigos wird, so ebenfalls ein Insiderhinweis, immer besser, je länger man es kocht, was unweigerlich dazu führt, dass sich immer mehr einzelne Zutaten des Gerichts in Brei zerlegen und nicht mehr optisch erkannt werden können. Dem Geschmack mag das keinen Abbruch tun, jedoch sind Eintopfgerichte vielleicht gerade wegen ihrer manchmal spannenden Undefinierbarkeit nicht jedermanns Sache.

Im Vergleich mit meinen Geschmackserinnerungen an mein erstes Bigosgericht würde ich demjenigen im Jadalnia nicht die Note sehr gut geben, sondern allenfalls ein Zufriedenstellend. Vielleicht ist man aber auch für alle Zeiten geschmacklich vorgeprägt, sobald man sein erstes Bigos probiert hat? Und vielleicht fällt auch im Jadalnia das Bigos stets unterschiedlich aus? Das bleibt noch von uns zu testen.
Bei den beiden anderen Gerichten, dem Schweinebraten mit Pflaumensauce und schlesischen Klößen (8,90 Euro) und dem Schweinefilet mit Senf Champignonsauce ( 9,50 Euro) fand sich genau das wieder, was ich in Polen öfter antraf: Die Soßen schmeckten hervorragend gehaltvoll und würzig, das war solide bodenständige Küche, aber das Schweinefleisch war zu trocken geraten.
Insgesamt bietet das Jadalnia teils gute bis sehr gute - schlichte -   authentische Küche mit ein paar Mängeln, jedoch angenehmer Bedienung und sehr fair kalkulierten Preisen.
Wir werden sicherlich wieder kommen.

Genussanwältin



Jadalnia
Berner Allee 24
22159 Hamburg
Telefon: 015774993170 

 
 
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