Ristorante Sardegna Paolino

Ein Billig-Italiener ist er nicht, der Paolino. Und auch der Umzug vom alten Alsterstandort mit seinem kolossalem Ausblick an den neuen Platz mit regelmäßigem U-Bahn-Gerumpel im Ohr und Hauptverkehrsstraße vor dem Auge hat die Preise nicht gedrückt. Dafür sitzt man in einem gepflegt eingerichteten Restaurant und bekommt -  mittags sogar ohne lange Wartezeiten - italienische Speisen gehobener Qualität serviert. Der Preis für den offenen roten Hauswein liegt mit 4,50 Euro im Normalbereich, der für die kleine Pellegrino mit 2,- Euro ebenso.

Seltsame Kunstwerke hängen an den Wänden, eines der Gemälde zeigt einen Vogel, der einen Menschenkopf vollkackt. Vermutlich ist das irgendwie symbolisch gemeint. Es gibt aber auch Fotos von Stars, die früher das alte 'Paolino' an der Alster besucht haben.

 

Mit ausgesuchter Qualität überzeugte als Vorspeise das Vitello Tonnato, makelloses, hauchdünn geschnittenes Fleisch unter einer extrem feinen und cremigen Thunfischsauce. Einfach ein Gedicht, möchte man sagen, wenngleich für 11,- Euro eine Spur mehr Deko als die fünf Radieschenscheiben und zwei Olivenöltropfen auf dem Tellerrand angemessen gewesen wäre:


Die Jakobsmuschel-Vorspeise kam wohlgebraten und fast sandfrei auf den Tisch, die Muschelfilets lagen auf einem würzig-scharfen Salatbettchen und waren mit reichlich grünem Pfeffer bestreut. Diese Zusammenstellung muss man mögen, denn der Gang könnte durchaus als 'Wilde Orgie von grünem Pfeffer' auf der Karte stehen und war alles andere als langweilig. Ein Stück weit wurden die Muscheln von der Schärfe erschlagen, aber 14,- Euro ist der Spaß wert:


Gut, aber ein wenig uninspiriert lagen die Penne mit Mozarella und Tomate auf dem Teller, mehr als die verlangten 9,- Euro sollten sie wirklich nicht kosten:


Von ausgesuchter Zartheit waren die Calamari Livornese (14,-), zudem schwammen sie in einer kraftvollen, grandios abgestimmten Tomaten-Kapern-Sauce - da kann der Gast nur den Hut ziehen:

 

Laut Auskunft des Genusspapstes sollen auch die rosa gebratenen Kalbsnierchen in Senfsauce sehr empfehlenswert sein!

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Im November 2016 können wir feststellen: Alles wie gehabt, erfreulicherweise. Nur beim Vitello Tonnato fehlten die sonst üblichen Radieschenscheiben, das war leicht zu verschmerzen. Stattdessen gab's drei Blättchen Rucola.

Paolino bietet bodenständige italienische Küche auf sehr hohem Niveau, zu entsprechenden Preisen. Da findet kein Theater auf dem Teller statt, man bekommt vielmehr hervorragende Produktqualität, zubereitet auf den Punkt. Das gilt sogar für die Kartoffeln. Weinempfehlung: Ein wunderbar weicher Terre Brune von samtiger Tiefe aus Sardinien.

Vitello Tonnato

Jakobsmuscheln

Kalbsleber

Saltimbocca romana

Calamaretti livornese

Tartufo

Tiramisu

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Und auch im März 2017 gilt: Erfreulicherweise alles beim Alten! Kein Chichi, nur beste Zutaten liegen hervorragend zubereitet auf den Tellern. Diesmal überzeugte besonders das Steinbuttfilet in Salbeibutter:

 

Die Jakobsmuscheln in Pfeffersauce sind ja ohnehin seit Jahren über jeden Zweifel erhaben:



Ristorante Sardegna Paolino
Hudtwalckerstr. 16
22299 Hamburg

040 33983018

 

 
 
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