Genno's

Jemand, der sich in Hamburg auskennt, wird
ambitionierte Küche nicht gerade im Stadtteil Hamm erwarten - und sich
gehörig irren. Genno's, nahe dem S-Bahnhof Hasselbrook, bietet seit
Jahren in kargem, aber stimmigen Ambiente sehr feine, solide Gerichte.
In den Räumlichkeiten einer ehemaligen Eisdiele gibt es nur 18 Plätze,
eine Reservierung ist dringend angeraten.
Wer wissen möchte, was ihn erwartet, sollte sich möglichst schon im
Internet informieren, denn eine schriftliche Speisekarte gibt es nicht.
Vielmehr trägt der Kellner die Menüpunkte mündlich vor.
Als Appetizer gibt es ein Spinatküchlein mit Gorgonzola, hoch aromatisch
und sehr lecker! So man leichte Vorspeisen liebt, sollte man
Parmesanmousse mit Rucolasalat, Cherrytomaten & Pesto versuchen und wird
auf seine Kosten kommen. Wer es deftiger schätzt, liegt mit
Argentinischer Bratwurst auf Paprikachutney richtig. Entenleberterrine
ist auch fein, aber nichts Besonderes und nur für den Koch gut
vorzubereiten. Von den Hauptgerichten darf ich die Scampi, gedünstet in
Kokoscurry Sauce mit Zucchini-Möhrengemüse & Basmatireis empfehlen, die
Sauce war einfach göttlich, davon hätte ich mir gern noch zwei Liter
eintuppern lassen. Am Schweinefilet und den rosa Lammfilets gab es
ebenfalls nichts zu kritteln, da herrscht große Sicherheit und Routine
an Herd und Ofen.
Minuspunkte gibt es aber doch: Für den Nachtisch. Frische Früchte auf
Mascarponecreme waren zwar in Ordnung, jedoch völlig uninspiriert und
langweilig, ein Aufschäumen wäre das Wenigste gewesen, was die Creme
hätte vertragen können. Mein Tipp lautet daher, lieber aufs Dessert zu
verzichten und statt dessen eine Vorspeise mehr zu nehmen! Ein Trost mag
sein, dass die Weinkarte aller Ehren wert ist, sie enthält schöne
Tropfen zu angemessenen Preisen.

Eigentümlich fand ich die telefonische Auskunft, dass Hunde im
Restaurant keinesfalls erlaubt seien - am Nebentisch harrte dann aber
doch ein ungnädig dreinblickender Kampfhund. Insgesamt ist Genno's
sowohl von der Atmosphäre als auch von der Kochkunst her sicher das
Feinste, was in Hamm zu finden ist - und ich kenne mich aus in der Ecke!

Manches ändert sich nie, auch wenn feste
Anker immer seltener werden. Das Genno's 2011
ist so ein Anker, er wird immer noch von denselben freundlichen Herren,
die als Koch und Kellner fungieren, betrieben und auch die - noch immer
allein mündlich vorgetragene - Speisekarte erfährt höchstens in
homöopathischen Dosen eine Änderung.
Gleich geblieben ist zur Freude des Gastes der Gruß aus der Küche, ein
warmes Spinatküchlein mit Gorgonzola. Das sieht nicht gerade umwerfend
sexy aus, duftet aber betörend und mundet auch so - ein leichtes,
aromatisches Vergnügen:

Die Vorspeisen kosten um die 7,- Euro, zu empfehlen sind sowohl die
beiden sehr parmesanigen, fluffigen Parmesankugeln mit Rucolasalat als
auch die kräftigen argentinischen Chorizowürstchen auf Paprikachutney
mit dem gleichen Salat:


Völlig tadellos, saftig und gleichmäßig rosa kamen die Lammfilets in
einer schön reduzierten, nicht zu knapp bemessenen Rotweinsauce - besser
geht es kaum. Dazu fanden sich knackige Bohnen auf dem Teller und drei
winzige, halbe Ofenkartoffeln. Es hätten drei mehr sein dürfen, denn so
reichten sie nicht für die Aufnahme der Sauce:

Ebenfalls viel Vergnügen bereiteten die ausgelösten Scampis in einer
Sahnesauce, die, obwohl als Kokos-Curry Sauce bezeichnet, doch eine
ordentliche Portion Chilli gesehen hatte. Zu bekritteln wäre allenfalls
ihre unüberschmeckbare Mächtigkeit:

Mit 17,- Euro waren die Hauptgerichte
nicht gerade billig, aber angesichts der überzeugenden Qualität
angemessen ausgepreist.
Gleiches gilt für die Nachspeise, eine gelungene Karamell-Creme Brulée
für einen Fünfer. Hier hat sich glücklicherweise etwas geändert, die
früher angebotene, todlangweilige Mascarponecreme ist vom Tisch.

Die Getränkepreise erscheinen angemessen, für eine Flasche weichen,
vollmundigen 2007er Rjoia waren 21,- Euro, für eine Flasche San
Pellegrino 5,80 Euro fällig.
Genno's gehört zu den besten Restaurants, die diesseits der Sterneküche
zu finden sind, große Sicherheit an Herd und Gast herrscht vor. Leider
ist das Gebäude selbst nicht mehr das frischeste, in Fensternähe kann es
winters kalt werden - 50er-Jahre-Bauglas mit vor Jahren lackierter
Holzrinne und Löchern fürs Kondenswasser. Es gibt
nach wie vor höchstens 18 Plätze, insbesondere an Wochenenden geht ohne
Reservierung nichts.
Genno's
Internet
Hammer Steindamm 123 * 20535 Hamburg *
Tel.(040) 202567